Knut Hamsun: Segen der Erde
Ein Mann. Nicht schön, aber kräftig. Nicht gebildet, aber voller Energie und Willen. Nicht über Maß theoretisierend, sondern zupackend.
Er steigt allein in die nordische Wildnis. Findet ein Fleckchen Erde, eine Lichtung, die er bebauen kann. Lässt sich nieder und beginnt zu siedeln. Ernährt sich und seine Tiere. Ein eigener Hof entsteht.
Eine Frau findet sich, entstellt zwar, aber tüchtig, die ihm zur Hand geht und Nachwuchs beschert. Doch sie wird zur Kindsmörderin, weil ein neues Leben die gleiche Scharte trägt wie sie. In der milden Haft lernt sie die moderne Welt kennen und schätzen und wird durch eine Operation ansehnlich. Nach mehreren Jahren auf den Hof zurückgekehrt, zerstört ihr neues Wesen fast die gewachsene Einheit. Doch sie fängt sich, die Ursprünglichkeit siegt. Der Hof gedeiht. Nur einen Sohn zieht es hinaus, er wird verführt wie einst die Mutter, findet Geschmack am konsumierbaren Leben, kostet aus, was ihm bezahlt wird. Er kehrt nie mehr auf den Hof zurück.
Noch mehr erfahren wir vom Einbruch der Moderne in das urbar gemachte Land. Noch mehr erfahren wir von neuen Siedlern und ihrem Verderben durch die neue Zeit. Aber zuletzt bleibt einer stehen. Ein ruhender Pol ist er, um den sich die Verwurzelten scharen:
Ein Mann. Nicht schön, aber kräftig…
Sein Herz schlägt im Rhythmus der Natur.
So überlebt er gesunden Körpers und reinen Geistes. Ein Vorbild für all jene, die zurückfinden zu ihren Wurzeln und wissen, das alles Streben vergeblich ist, das sich nicht eingliedert: in den ewigen Kreislauf der Natur.