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Antiautoritär oder was?

Es ist eine Illusion und geradezu eine Lüge des Systems, dass sich ein Mensch ohne Bezüge und Reibungspunkte weiterentwickeln oder auch nur eine Spur von Persönlichkeit erlangen kann. Es gibt keine grenzenlose Freiheit und hat sie niemals gegeben. Wie so oft schon zitiert, und darum nicht minder wahr: „Freiheit ist immer die Einsicht in die Notwendigkeit“. Nur durch gesetzte Grundlagen kann der Mensch lernen, nur an Grenzen sich schulen, nur durch konträre Positionen ist eigenes Denken beförderbar. Individualität (im Gegensatz zu Individualismus) bildet sich doch nicht durch eine Kultur und Erziehung der Beliebigkeit, sondern durch das Legen moralischer und ethischer Grundlagen, die vermittelt werden müssen. Der Mensch ist grundsätzlich ein Wesen, das fressen und sich fortpflanzen will. Erst durch seinen Gemeinschaftssinn und durch seine Selbstreflexion kann es sich hinaufentwickeln. Diese Hinaufentwicklung ist aber an Erziehung gebunden. Der Mensch muss in die Gesellschaft integriert werden, in die er geboren wird. Damit ist nicht unbedingt der politische Ort, wohl aber das menschliche Miteinander in kollektiven Strukturen gemeint. Die Eltern als nächste Sozialisationsinstanzen haben die Pflicht, ihren Nachwuchs mit menschlichen Kollektiv- und Verhaltensregeln vertraut zu machen. Im Weiteren bleibt ihnen das Recht, das von ihnen als richtig erkannte Wissen an ihre Kinder weiterzugeben. Haben sie bei der Erziehung keine Fehler gemacht, wird ihr Sprössling zu einem bestimmten Zeitpunkt selbst entscheiden können, was er davon annimmt, und was nicht. Unterbleibt diese Erziehung, wird in der heutigen Zeit ein ungefestigter und beliebiger Mensch entstehen, der leicht formbar und lenkbar zum willigen Opfer der herrschenden Verhältnisse wird.

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