Corneliu Z. Codreanu: Handbuch für die Nester
Corneliu Zelea Codreanu, wie er mit vollständigem Namen hieß, wurde 1899 in Rumänien geboren und beschäftigte sich schon früh mit der politischen und gesellschaftlichen Lage seiner Nation. Bald wuchs in ihm der Wunsch, das von innen wie außen bedrohte Land zu sichern und einen neuen Staat zu errichten, der für das Wohl aller seiner Bürger sorgen und eine starke Nation darstellen würde. 1927 gründeten einige Kameraden und er deshalb die „Legion Erzengel Michael“ als spirituell-nationale Kampfgemeinschaft. 1930 entstand zusätzlich die „Eiserne Garde“, die alle idealistischen nationalen Verbände zu einer Aktionsfront vereinen sollte.
Das vorliegende „Handbuch für die Nester“ erschien 1933, das umfassendere Werk „Eiserne Garde“ 1936. In dieser Zeit erkannte der herrschende rumänische Staat die Gefahr, die für sein Regime von Codreanu und seinen Anhängern ausging, und inhaftierte ihn unter fadenscheinigen Vorwänden. Damit nicht genug, fürchtete der Staat die entstehende Massenbewegung so sehr, daß er Corneliu Zelea Codreanu und mehrere seiner Getreuen 1938 heimtückisch ermorden ließ.
Was erfahren wir nun aus dem Handbuch? Es ist geschrieben, um Mitgliedern und Sympathisanten der Legion einen Leitfaden an die Hand zu geben, nach dem sie Haltung und Auftreten ausrichten können. Die Gliederung faßt einander nahe liegende „Punkte“ in übergeordneten „Teilen“ zusammen.
Zunächst werden die Formalia der Sitzungen und der Aufbau der als Teilorganisationen so genannten „Nester“ behandelt. Eine einfache, aber strenge Ordnung war demnach kennzeichnend für die Zusammenkünfte. Die Nester waren hierarchisch und nach Alter und Geschlecht gegliedert. Studenten hatten ihr eigenes Nest.
Sodann werden Ratschläge für den Nestleiter gegeben. Er stellt sich als ein weiser Anführer dar, der eine nur geringe Distanz zu seinen Untergebenen aufweist, sie durch seinen Charakter und seine Herzlichkeit anzieht und stets als guter Kamerad agiert. Im Kampf sucht er sich immer die gefährlichste Stelle aus. Als menschliches Vorbild sucht er stets die Harmonie und das zwischenmenschliche Verständnis in seiner Einheit zu wahren. Nur durch sein Verhalten soll er die Achtung aller gewinnen. Ständiger und übermäßiger Kritik an der jeweils zu vertretenden Sache muß er entgegentreten:
„Die Legion ist keine Organisation der Kritik und Negation, sondern eine Organisation im Geiste der Bejahung, des Kampfes und der Offensive.
Die Kritik überlassen wir den Historikern. Laßt uns jetzt so gut wie möglich kämpfen, um so viel wie möglich zu erreichen.“
Und weiter: „Unehrliche, Streitsüchtige, Schläger, Hochmütige, Angeber, Eingebildete, Furchtsame, Feiglinge müssen der Organisation fernbleiben“.
Eine kleine Zahl von Brüdern sei immer besser, als eine große Zahl von Streithähnen, wird gesagt. Ein soldatisches Einstehen für die Werte der Nation wird gefordert: „Wie gut würde es uns gehen, wenn alle Politiker ihre Arbeit, ihre Seelen und ihr Leben dem Land widmen würden!
Die einfache Uniform als Zeichen der Zusammengehörigkeit soll jeder Legionär besitzen. Kameradschaft und Disziplin sind unabdingbar für die Sicherung der Einheit der Legion. Kameradschaft und Vertrauen sollen sich von unten nach oben bilden, während der Weg der Disziplin von oben nach unten verläuft um auch in schwierigen Zeiten die Einheit zu sichern. Disziplin muß aber immer freiwillig erfolgen. Nur dann ist sie Überlegenheit. Das Mittel der Bestrafung wird nicht sehr weit ausgeführt. Die schlimmste Bestrafung ist der Ausschluß aus der Einheit.
Wir lesen weiter, daß die Legion sich an Wahlkämpfen als einzigem rechtmäßigem Weg der Änderung der Verhältnisse beteiligt, aber auch hier nach strengen moralischen Maßstäben agiert. So verspricht der Legionär statt materieller Güter Gerechtigkeit für alle. Jeder einzelne muß die Idee so weit wie möglich propagieren. Der Legionär bittet in seinem Wahlprogramm nicht um einzelne Güter, sondern er verlangt gerechte Gesetze. Im Weiteren werden die Abläufe des Wahltags festgelegt.
Interessant sind auch die Anweisungen für das Verhalten des Legionärs als Abgeordneter. So stehen ihm die ausbezahlten Diäten nicht persönlich zu, sondern er muß sie der Legion abliefern. Diese bestimmt seine angemessene persönliche Entschädigung. Zudem soll er nicht in einem Luxushaus leben, sondern, wenn nötig, in einer einfachen Legionärkaserne. Er muß der Legion in seiner Funktion stets zur Verfügung stehen. Überdies wird er nach dem Rotationsprinzip regelmäßig ausgewechselt.
Es folgen Hinweise zum Erscheinungsbild des Legionärs in der Öffentlichkeit. Gefordert werden stolze und soldatische Haltung, offener Blick und Präzision in Wort und Schrift.
Ein Legionär kleidet sich einfach und bescheiden und verachtet den Luxus als „seelische Neigung zur Frivolität, der Philosophie eines Schurken“.
„Wenn der luxuriöse Mensch heute kein Dieb ist oder zu einer der vielen Formen des Diebstahls neigt, dann ist er auf jeden Fall ein Gefühlloser, der das endlose Elend in unserem Lande verspottet.
Der Legionär wird den Menschen nicht nach seiner Kleidung beurteilen und wird keinen Unterschied zwischen dem Armen, der schlecht gekleidet ist, und dem Reichen, der gut gekleidet ist, machen. Der Legionär wird einen Menschen nach dem, was sich unter seiner Kleidung befindet, nämlich nach seiner Seele, beurteilen.
Es gibt viele zerfetzte Kleider, die Goldschätze im Herzen eines Menschen verbergen.“
Ein Legionär veruntreut niemals Gelder, die er verwalten soll, sonst erfolgt der sofortige Ausschluß. Er wird der Korruption in jeder Form entgegenwirken und für eine Leistung seinerseits niemals eine Gegenleistung einfordern.
Ein Legionär ist ein spiritueller Mensch und das Gebet seine Kraftquelle. Er trägt den Erzengel Michael als Vorbild im Herzen.
Ein Legionär wird durch die Schule des Leidens gehen, die ihn härten wird. Diese Schule besteht aus drei Stationen: dem Berg des Leidens, den er aufwärts geht, so schwierig der Anstieg auch wird, und so wenig Dank er auch für seinen Weg erhält; dem Wald der wilden Bestien, in dem sich alle Gegner auf ihn stürzen werden, um ihn zu vernichten. Er wird sich dem Kampf stellen und ihn ausfechten; dem Sumpf der Hoffnungslosigkeit, der aus allen Selbstzweifeln gebildet wird und der durchwatet werden muß, wenn man wieder festen Grund spüren will. Erst, wenn diese Prüfungen hinter einem liegen, kann die eigentliche Aufbauarbeit beginnen. Und: ein Kampf aus niedrigen seelischen Beweggründen ist zu verachten.
Legionär und Politiker sind von unterschiedlicher Art. Der Legionär hat nämlich nicht nur „bürgerliche Rechte, sonder auch heilige Pflichten“.
Der damalige Kommunismus sowjetischer Prägung wurde übrigens als bloße Tarnung für das Ausrauben des Landes durch fremde Profiteure gesehen.
Der Legionär soll einen neuen Staat errichten und dafür einen neuen Menschen heranbilden: „Der neue Mensch muß ein Held in kriegerischem, gesellschaftlichem und arbeitendem Sinne sein“.
Folgende Forderungen werden an den Legionär zur Vorbereitung dieses Ziels gestellt:
„Legionär,
- begehe niemals eine Tat, für die Du Dich am nächsten Tag schämen würdest. Stehe zu dem, was Du tust.
- Wenn Du auf ein Hindernis stößt, überwinde es. Gib nicht auf. Laß Dich nicht entmutigen. Versuche es ein zweites, ein drittes Mal, immer wieder. Es gibt kein: „Ich schaffe es nicht.“ Der Legionär setzt sich durch.
- Wenn der Politiker die Politik als ein Geschäft empfindet, so ist sie für den Legionär Religion.
- Sage nicht, daß Du der Legion nicht dienen willst, weil Du einen Vorgesetzten nicht magst oder der Meinung bist, er sei unfähig. In der Legion ist niemand Anführer auf Lebenszeit. Heute ist es einer, morgen ein anderer, übermorgen wirst Du es sein, vorausgesetzt, Du wirst es Dir durch Arbeit, durch standhaften Glauben und durch Deine Fähigkeiten verdienen. Und eines Tages wird der Fähigste von allen gefunden werden.
- […]Aus dieser großen legionären Schicht wird eine neue rumänische Aristokratie hervorgehen. Diese wird weder auf Geld noch auf Reichtum gegründet sein. Nur geistige Qualitäten und Tugenden werden zählen. Es wird eine Aristokratie der Tugend sein.“
Im Handbuch sind die Gelöbnisse der Legionäre verzeichnet. Mit ihnen legt sich der Legionär auf die Prüfungen des Leidens, der Gefahr und des Glaubens fest, verspricht Treue, Disziplin und Charakterfestigkeit unter allen Bedingungen.
Ein ausführlicher Teil widmet sich der Geschichte der Legion. Bedeutsam ist, daß im Gründungsritual jeder aufgenommene Legionär einen Lederbeutel mit Heimaterde überreicht bekam, den er um den Hals trug. Darin befand sich Erde von den Plätzen, auf denen Rumänen für ihr Land gekämpft und geblutet hatten.
Prägnante Parlamentsreden des Führers der Legion vervollständigen das Handbuch. In ihnen kommen noch einmal wichtige Grundsätze des Legionärsdaseins zum Tragen. Abhandlungen schließen sich an über die Wirksamkeit von Parteiprogrammen (erst bestimmend im Lande werden, dann versprechen und anpacken), Manifeste (zum Beispiel über das Übel der Städte und ihrer Moral) und Landesgesetze, die für Legionäre besonders wichtig sind. Am Schluß steht ein Aufsatz von Claudiu Mihutiu zum Vorwurf des Antisemitismus gegen die Legion. Er versucht nachzuweisen, daß eine Judenfeindschaft niemals grundlegender Bestandteil der Ideen war und dahingehende Äußerungen den konkreten Umständen geschuldet waren. Die Legionäre erhoben sich nicht als Rasse über die im Lande befindlichen Juden, sondern gestanden ihnen ein eigenes Land zu, das sie wieder zu einer Nation machen sollte. Die rumänische Nation sollte aber erst einmal ohne andere Einflüsse an sich selbst arbeiten.
Zur Form des Buches: Achtung gebührt dem Verlag, es überhaupt wieder zugänglich gemacht zu haben. Die Aufmachung ist ansprechend und fördert das Lesen. Allerdings wurde auf Satz und Übersicht etwas weniger Sorgfalt verwendet. So findet sich unter anderem eine Seite doppelt eingebunden und der Text ist in seinen Abschnitten nicht sehr elegant eingerückt. Trotzdem ist dieses Handbuch dem interessierten Leser zu empfehlen. Was zählt, ist schließlich der Inhalt. Und so soll hier noch einmal stehen, was die Legionäre sich schworen:
„1. in Armut zu leben und den Wunsch auf materielle Bereicherung in uns zu vernichten.
2. ein hartes Leben ohne Luxus und Wohlstand zu führen.
3. jede Ausbeutung der Menschen durch die Hand eines anderen Menschen zu beseitigen.
4. uns ständig für das Vaterland aufzuopfern.
5. die Legionärsbewegung mit all unseren Kräften vor allem, was sie kompromittieren oder ihrer hohen moralischen Zielsetzung schaden könnte, zu schützen.“
Mögen die Forderungen auch zum Teil unzeitgemäß erscheinen und mag überhaupt das Handbuch eine gewisse Naivität verströmen, so ist doch das Ideal bedenkenswert, das dieses Buch und seinen Verfasser beherrscht.