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Archiv für die Kategorie ‘Kultur’

Fehler des Sozialismus in der DDR

November 11, 2009 dsnation Kommentieren
  1. Nichtbeachtung der im Volk gewachsenen Traditionen und Mentalitäten, Bindungen, Handlungs- und Verhaltensweisen
  2. Übertragungn der politischen und gesellschaftlichen Praxis der Sowjetunion auf Deutschland, obwohl hier ganz andere Bedingungen herrschten
  3. Verunglimpfung von Konservatismus und Bürgertum
  4. Einrichtung der sozialistischen Gesellschaftsordnung mit Zwang stat mit Diplomatie und geschickter Propaganda
  5. Fehlen jeglichen volksdemokratischen Elements auf Entscheidungsebene (Volksbegehren, Volksinitiative etc.)
  6. übergroße Zentralisierung, damit einhergehende Mißachtung der Eigeninitiative
  7. Unterordnung aller politischen und gesellschaftlichen Fragen unter die Parteidoktrin („Die Partei hat immer recht!“)
  8. Mangelnde Kritikfähigkeit der Partei- und Staatsührung
  9. Verweigerung, den Sozialismus realen Gegebenheiten anzupassen, Verweigerung von Reformen
  10. Unehrlichkeit gegenüber dem Volk hinsichtlich des erreichbaren Konsumstandards – damit Verschenken der Chance, das Volk aufgrund eines Zusammengehörigkeitsgefühls zu regieren, das seine „Einmauerung“ überflüssig gemacht hätte
  11. Fehler in der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Zusammenarbeit mit den anderen sozialistischen, aber auch kapitalistischen Staaten
  12. „Sich-in-die-Tasche-Lügen“ bei Fragen der Planerfüllung – wichtigster Grund des Zusammenbruchs und Untergangs der DDR
  13. zu große und unnötige Angst vor dem Westen einerseits und der UdSSR andererseits
  14. „Das Auge siegt mit!“ – zu wenig Beachtung der Konzeption eines „Sozialismus mit attraktivem Antlitz!“
  15. Unfähigkeit, das Volk gefühlsmäßig in den Staat einzubinden

    Wurzeln, festgefügt

    November 11, 2009 dsnation Kommentieren

    Die Wurzel Deines Volkes
    Lebt tief und fest in Dir
    Und jenes Wissen stetig
    Bringt Dich vom Ich zum Wir

    Mit Geist, mit ganzer Seele
    Gebunden an das Land
    Das Tausende von Jahren
    Vor Dir hatte Bestand

    Es ist das große Wunder
    Ein altes, weises Lied
    Seit Du begannst zu schauen
    Durch Deine Seele zieht

    So Sehnsucht weckt und Wehmut
    Ach, wär’ es schon getan
    Das Mensch ist, gleich dem Menschen
    Der Schöpfung untertan

    Die Melodien der Ahnen
    Sind auch in Dir präsent
    Sie singen von tief innen
    Vom Ort, den niemand kennt

    Sie kleiden Deine Seele
    In teueres Gewand
    Und sorgen für das Wissen
    Das hier, das ist Dein Land

    Hier doch bist Du geboren
    Hier wuchsest Du auch auf
    Und hast Dir hier geschworen
    Du gibst es niemals auf

    Die Eltern leben hier, auch
    davor die Ahnen all’
    Die Freunde für das Leben
    find’st Du nicht überall

    Nur hier in deutschen Landen,
    Nur hier in freier Luft
    Der Klang der deutschen Zunge
    Dir „Heimat“ stets zuruft

    Die Wiesen, Feld’ und Wälder
    Die Dörfer, Städtekunst
    Sind um so vieles älter
    Als Du auf Erden wohnst

    Doch komm und schaff auch Neues
    Geschichte schreibst auch Du
    Die Hände soll’n sich regen
    Im Tode hast Du Ruh

    Den Kopf emporgehoben
    Den Blick sicher und fest
    Gerichtet in die Zukunft
    Nicht von Vergang’nem lässt

    Die Faust reckt sich zum Himmel
    Der Mensch steht stolz und stark
    Im Angesicht der Weite
    Gefestigt bis in’s Mark

    Nun sieh’ mit off’nem Blicke
    Den Deinen ins Gesicht
    Wer hat nichts zu verbergen
    Der senkt den seinen nicht

    Nun ist die Zeit gekommen
    Die Weizen trennt von Spreu
    Die Wurzel, sie lebt weiter
    Aus Alt wird wieder Neu

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    Sag mir, wo du stehst

    November 9, 2009 dsnation Kommentieren

    Sag mir, wo du stehst, und welchen Weg du gehst!
    Zurück oder vorwärts, du mußt dich entschließen!
    Wir bringen die Zeit nach vorn Stück um Stück.
    Du kannst nicht bei uns und bei ihnen genießen,
    denn wenn du im Kreis gehst, dann bleibst du zurück!

    Sag mir, wo du stehst, und welchen Weg du gehst!
    Du gibst, wenn du redest, vielleicht dir die Blöße,
    noch nie überlegt zu haben, wohin.
    Du schmälerst durch Schweigen die eigene Größe.
    Ich sag dir: Dann fehlt deinem Leben der Sinn!

    Sag mir, wo du stehst, und welchen Weg du gehst!
    Wir haben ein Recht darauf, dich zu erkennen,
    auch nickende Masken nützen uns nicht.
    Ich will beim richtigen Namen dich nennen.
    Und darum zeig mir dein wahres Gesicht!

    Text: Hartmut König

    Der Deutsche

    November 3, 2009 dsnation Kommentieren

    Es sagte ein nicht ganz unbedeutender Mann einmal:

    „Der Deutsche, in sich selbst zerfallen, uneinig im Geist, zersplittert in seinem Willen und damit ohnmächtig in der Tat, wird kraftlos in der Behauptung des eigenen Lebens. Er träumt vom Recht in den Sternen und verliert den Boden auf der Erde … Am Ende blieb den deutschen Menschen dann immer nur der Weg nach innen offen. Als Volk der Sänger, Dichter und Denker träumte es dann von einer Welt, in der die anderen lebten, und erst, wenn die Not und das Elend es unmenschlich schlugen, erwuchs vielleicht aus der Kunst die Sehnsucht nach einer neuen Erhebung, nach einem Reich und damit nach neuem Leben.“

    Manifest der Samurai

    November 3, 2009 dsnation Kommentieren

    „… ein Adler wird nie zum Samenfresser, sondern stirbt lieber Hungers… Vor einiger Zeit wurden wir unserer kostbaren Schwerter beraubt, und nun befiehlt man uns, den Scheitelzopf unseres Haares abzuschneiden und dasselbe in fremder Weise zu tragen. Es bleibt uns unter diesen Umständen nur eins übrig, nämlich unsere Schwerter in den Häusern der Beamten zu gebrauchen, welche die Fremden nachahmen. Dies allein ist Männern unserer Klasse würdig.“

    (aus dem „Manifest der Samurai“, nach Karlheinz Weissmann: Mythen und Symbole, S. 196)

    Kategorien:Gesellschaft, Kultur, Politik Schlagworte: , ,

    Zielsuche

    April 23, 2007 dsnation Kommentieren

    Es ist an der Zeit, dass der Mensch sich sein Ziel stecke. Es ist an der Zeit, dass der Mensch den Keim seiner höchsten Hoffnung pflanze.
    Noch ist sein Boden dazu reich genug. Aber dieser Boden wird einst arm und zahm sein, und kein hoher Baum wird mehr aus ihm wachsen können.
    Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen hinaus wirft, und die Sehne des Bogens verlernt hat, zu schwirren! Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um den tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.“

    (aus Nietzsche, Friedrich: Also sprach Zarathustra. Erster Teil: Zarathustras Vorrede)

    Hermann Kant zum Geburtstag

    April 23, 2007 dsnation Kommentieren

    Am 14. Juni diesen Jahres feierte der Schriftsteller Hermann Kant seinen achtzigsten Geburtstag. Er war, nicht nur als Präsident des Schriftstellerverbandes, einer der wichtigen Köpfe des kulturellen Lebens der DDR und erhielt zahlreiche Preise, unter anderem den Nationalpreis. Auch nach dem Ende des Staates konnte er sich mit seinem Können ein kritisches Lesepublikum erhalten.

    Aus diesem Anlaß folgt hier ein Auszug aus seinem vielleicht bekanntesten Roman „Die Aula“ von 1965, der erkennbar autobiographische Züge trägt. Es geht in ihm um den jungen Kriegsheimkehrer und Handwerker Robert Iswall, der die Möglichkeit erhielt, an der „Arbeiter-und-Bauern-Fakultät“ sein Abitur nachzuholen und nach einem anschließenden Studium als freier Journalist zu arbeiten. Die Arbeiter- und Bauern-Fakultät, kurz ABF, war eine Einrichtung zur Hebung der Volksbildung, die auch Arbeitern und Bauern ein Studium ermöglichen sollte.
    Robert soll nun zu einem Festakt eine Rede halten, in der er die Geschichte der ABF Revue passieren läßt. In der Vorbereitung dazu vertieft er sich in Erinnerungen und erzählt so ein Stück Geschichte aus den Anfangstagen der DDR, als alles noch im Aufbau war.

    In der hier dargestellten Episode fährt er bereits als Journalist in die Stadt Hamburg, die von den Folgen der Flutkatastrophe betroffen ist, und versucht, die Ursachen für deren verheerende Wirkung zu ergründen. Er kommt mit dem politisch und literarisch gebildeten Kaufmann Windshull ins Gespräch, und dieser antwortet ihm in einer Weise, die auch heute nichts von ihrer Aussagekraft verloren hat:

    „Wenn ich Ihnen da aber einen Rat geben darf: Rechnen Sie nicht mit dem Nichtwissen des anderen. Ich selbst habe diesen Fehler oft genug gemacht und meistens dabei draufgezahlt. Hätten Sie sich vor zehn Jahren bei mir angemeldet, dann hätte ich, abgesehen von der Frage, ob ich Sie überhaupt empfangen hätte, womöglich zu mir gesagt: Wie lustig, ein kommunistischer Journalist an deiner Tür, laß ihn doch herein, was kann es schaden, wenn Du ihm eine Viertelstunde für seine Fragen gibst: Imperialismus, Kapitalismus, verfaulte Bourgeoisie, der Zukunft Morgenrot, Proletarier aller Länder, absolute Verelendung, Expropriation, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun und ähnlicher Klimbim. Heute weiß ich es besser. Heute weiß ich: Sie kommen nicht hierher, um meine Seele zu retten, Sie wollen keinen Proselyten aus mir machen, Sie wollen nichts als meine Meinung, und die wollen Sie, weil Sie mit mir rechnen.
    Ihr Leute habt rechnen gelernt. Ihr wollt uns am Ende immer noch hinaushebeln aus dem, worin wir sitzen, aber da ihr dahintergekommen seid, daß es mit ,Auf, Sozialisten, schließt die Reihen’ allein nicht zu schaffen ist, habt ihr die Hebelgesetze studiert, ,Das Produkt aus Kraft und Kraftarm ist gleich dem Produkt aus Last und Lastarm’, und in dem Wissen um das, was wir denken und tun und lassen, seht ihr einen vielversprechenden Kraftarm. Mit Recht, mit Recht. Aber wir kennen das Zeug ja auch, nicht wahr, und so kommt ein bißchen Spaß in diese Brechstangenwelt.“

    Kategorien:Hermann Kant

    Weltanschauung

    April 23, 2007 dsnation 1 Kommentar

    Die folgende Szene entstammt Ehm Welks Buch Die Gerechten von Kummerow, Hinstorff Verlag, Rostock 1967.
    Geschildert wird eine Begebenheit bei der jährlichen „Visitation“ der Kummerower Dorfschule durch den Kreisschulinspektor Superintendent Sanftleben. Anwesend sind außer ihm noch der Dorfpfarrer Pastor Breithaupt, der Lehrer Kantor Kannegießer und achtzig Schulkinder.
    Die Szene zeigt: es kommt nur auf die richtige Weltanschauung an… Und manchmal ist genau das „Verkehrte“ das Richtige.

    Er [der Superintendent] holte tief Atem, überzeugt, ein paar junge Seelen der materialistischen Weltanschauung entzogen zu haben. Und in lehrerhafter Wiederholung stellte er die Frage noch einmal, eindringlicher: „Wann sieht die Erde am schönsten aus?“
    Diesmal war es Traugott Fiebelkorn. Mit der Sicherheit eines Philosophen, der sein System für das allein richtige hält, verkündete er den weisheitsvollen Satz: „Wenn wir sie verkehrt anschauen!“
    Hätte das Schopenhauer oder, andersherum, Leibnitz gesagt, es wären dicke Diskussionen in aller Welt gefolgt. So gab es nur ein zwar verwundertes, aber mitleidiges Kopfschütteln und die Frage: „Verkehrt – wie denn?“
    Wohl zwanzig Finger waren hoch, doch Traugott ließ sich den Triumph, es als erster gesagt zu haben, nicht nehmen. „Na so, den Kopf ganz tief runter, und dann durch die Beine gucken!“
    Pastor und Kantor lachten, der Superintendent blickte ehrlich erstaunt umher. Er glaubte es anscheinend nicht. Johannes wollte ihn belehren: „Doch, Herr Zupperdent, das machen Sie man nachher. Dann ist alles viel deutlicher und viel bunter auch.“
    Die Vorstellung, der lange und würdevolle Superintendent könnte vielleicht auf dem Damm den Kopf durch seine gespreizten Beine stecken und sich die Welt von unten und hinten ansehen, ließ das Lächeln auf des alten Lehrers Gesicht wohl länger als geziemend verweilen. Leicht gereizt sprach ihn der Superintendent an: „Wie kommen die Kinder zu solchem Unsinn?“
    Kantor Kannegießer war sogleich ernst. Doch für ihn antwortete schon der Erste. „Das hat uns Krischan gezeigt. Und Unsinn ist das gar nicht, nicht wahr, Herr Kantor?“
    Der versuchte eine ungeschickte Erklärung des Phänomens, in der gesteigerter Blutdruck, veränderter Gesichtswinkel und so weiter eine Rolle spielten. Kopfschüttelnd hörte der Superintendent zu. Dann fragte er, ganz außer Fassung: „Haben Sie das etwa ausprobiert, in Ihren Jahren?“
    Kantor Kannegießer bekannte: „Damals, als Krischan das aufbrachte, war ich noch jünger. Aber ich meine, auch das Alter enthebt den Lehrer nicht der Pflicht zur Nachprüfung einer Behauptung von Schülern.“
    „Bei offenbarem Unsinn sehr wohl“, beendete der Superintendent den Streit um die verkehrte Weltanschauung. Wollte ihn beenden, denn da ging noch ein Finger hoch und zog gleichsam ein elfjähriges Mädchen mit empor. „Es ist aber so, Herr Superintendent, mein Papa, der weiß es auch!“ Die Sprecherin war Pastors Ulrike.
    Pastor Breithaupt war während der Diskussion über die Einwirkung der Kummerower Optik auf die Geoplastik und Erkenntnistheorie im Zweifel gewesen, ob er sich einmischen sollte oder nicht, doch da seine dreiste Tochter ihn zum Bekennen zwang, lachte er vergnügt: „Es war beim Heuen, sie war mit, und wir sprachen über die Schönheit der Heimat. Da versetzte sie mir die Weisheit des alten Krischan. Na, Sie kennen das Mädel ja, wenn sie was will, läßt sie nun mal nicht locker.“
    „Und da haben Sie“ – fassungslos sah der Superintendent den geringeren Amtsbruder an, und zugleich hingen die gierigen Augen von achtzig Schulkindern am Gesicht ihres Seelenhirten.
    „Da habe ich! Wir waren ja allein.“ Daß er den entschuldigenden Nachsatz für nötig gehalten hatte, ärgerte ihn plötzlich. Himmelherrgott, wie weit hatten sie einen doch gekriegt mit ihrem Geschwätz von Amtswürde.
    „Und – “
    „Es ist etwas Wahres dran. Ich erkläre es mir… “