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Archiv für die Kategorie ‘Bertolt Brecht’

Einheitsfront!

April 23, 2007 dsnation Kommentieren

Die Einheitsfront ist heute eine unabdingbare Grundlage des Kampfes. In einer umfassenden Gegenbewegung ist es dem Kapital spätestens seit dem Verschwinden des sozialistischen Blocks gelungen, die Errungenschaften der Arbeiterklasse schrittweise zurückzudrängen. Es nutzt dabei alle Möglichkeiten, die Werktätigen zu zersplittern und voneinander zu isolieren. So schafft es durch soziale Schichtung über finanzielle Ungleichheiten innerhalb der Arbeiterklasse eine Hierarchie, die eine Bildung gemeinsamer Interessen verhindern soll. Die Behauptung, mit dem Ausbau des Dienstleistungssektors würde das Bestehen einer Arbeiterklasse an sich zunehmend fraglich, soll eine Bewußtwerdung ihrer Lage unter den abhängig Beschäftigten verhindern.

Ganz im Gegenteil aber wächst die Arbeiterklasse stetig an! Nicht nur der Werktätige in der Produktion gehört heute dazu. Das Heer vergrößern Angestellte aller Couleur, Handwerker und kleine Selbständige, kurz: alle, die direkt oder indirekt von Ausbeutung betroffen sind. Gemeinsame Klasseninteressen müssen auch die Bauern haben. Im Osten wie im Westen leben sie oft am Existenzminimum oder müssen in Schwerstarbeit ihre Existenz sichern.

Haben die momentan noch Beschäftigten wenigstens eine kleine Lobby in der vermeintlichen Vertretung ihrer Interessen durch Gewerkschaften und bestimmte Gruppen innerhalb der etablierten Parteien, fehlt diese den Arbeitslosen ganz. Niemand nimmt sich ihrer Interessen an! Niemand unterstützt jene, die bereits heute am schlimmsten unter der ausgebrochenen kapitalistischen Barbarei leiden. Diese Massen in den Kampf um Sozialismus einzubeziehen muß eine der vorrangigsten Aufgaben einer umfassenden sozialistischen Bewegung werden.
Von der herrschenden Klasse wird suggeriert, daß Arbeitslosigkeit ein Makel sei, daß sie der Arbeitslose zumindest zum Teil mitverschuldet habe. Heute soll damit seine schamlose und schrankenlose Ausbeutung zu den absoluten Bedingungen des kapitalistischen Staates mittels des Hartz IV-Gesetzes begründet werden. Die Auflage, jede zumutbare Arbeit (ich ergänze: auch unzumutbare, und zu jeden Bedingungen) anzunehmen, ist moderne Sklaverei! Mit dem Unterschied zu damals, daß es heute jeden treffen kann, der in irgendeiner Form abhängig von der Gnade der Besitzenden ist.
Das Heer der Arbeitslosen, das fast täglich wächst, muß organisiert werden. Es muß in einer Reihe mit den noch beschäftigten Werktätigen stehen. Dabei muß stets klar sein: Arbeitslosigkeit wird vom Kapitalismus gesetzmäßig erzeugt. Sie ist dem System eingeschrieben. In seiner Endphase, der zunehmenden Barbarei, wird sie zu einem Massenphänomen und trägt gleichzeitig den Keim des Umsturzes in sich. Pflegen wir diesen Keim und ziehen wir daraus die kräftige Pflanze der Revolution.

Den Werktätigen, die heute noch auf die Vertretung ihrer Interessen durch die etablierten Parteien hoffen, sei gesagt: keine politische Institution und Organisation, die aus den Töpfen des Kapitals bezahlt wird, ist jemals in der Lage, eine grundlegende Besserung oder gar Veränderung der bestehenden Verhältnisse herbeizuführen. Mit zunehmender Verweildauer wird ihre Korruption und Korrumpierbarkeit zunehmen. In diesem Sinne können die Mitglieder der etablierten politischen Einrichtungen keine Volksvertreter sein, sondern lediglich Funktionäre des Kapitals und seiner Interessen. Nur eine unabhängige sozialistische Organisation, die vom werktätigen Volk getragen wird und es hinter sich weiß, kann diese Zustände ändern. Diese Organisation gilt es aufzubauen. Packen wir es an!

Einheitsfrontlied

Und weil der Mensch ein Mensch ist,
drum braucht er was zum Essen, bitte sehr.
Es macht ihn ein Geschwätz nicht satt,
das schafft kein Essen her.
Drum links, zwei, drei! Drum links, zwei, drei!
Wo dein Platz, Genosse, ist!
Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront,
weil du auch ein Arbeiter bist.

Und weil der Mensch ein Mensch ist,
drum braucht er auch noch Kleider und Schuh.
Es macht ihn ein Geschwätz nicht warm
Und auch kein Trommeln dazu.
Drum links, zwei, drei! Drum links, zwei, drei!
Wo dein Platz, Genosse, ist!
Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront,
weil du auch ein Arbeiter bist.

Und weil der Mensch ein Mensch ist,
drum hat er Stiefel im Gesicht nicht gern.
Er will unter sich keinen Sklaven sehn
und über sich keinen Herrn.
Drum links, zwei, drei! Drum links, zwei, drei!
Wo dein Platz, Genosse, ist!
Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront,
weil du auch ein Arbeiter bist.

Und weil der Prolet ein Prolet ist,
drum wird ihn auch kein anderer befrein.
Es kann die Befreiung der Arbeiter nur
das Werk der Arbeiter sein.
Drum links, zwei, drei! Drum links, zwei,drei!
Wo dein Platz, Genosse, ist!
Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront,
weil du auch ein Arbeiter bist.

Musik: Hanns Eisler
Text: Bertolt Brecht
© Deutscher Verlag für Musik, Leipzig