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Archiv für die Kategorie ‘Einheitsfront’

In eins nun die Hände!

April 23, 2007 dsnation Kommentieren

Nachfolgende Zitate sind, wie schon an früherer Stelle, Karl Otto Paetels Buch Nationalbolschewismus und nationalrevolutionäre Bewegungen in Deutschland, Schnellbach 1999 entnommen. Es stellt für den interessierten Suchenden einen sehr guten Einstieg in Konzeptionen dar, die Nation und Sozialismus als natürliche Einheit betrachten.

Sozialrevolutionäre Nationalisten
„Es zeigte sich, daß es Möglichkeiten für eine freiheitliche ,überbündische’ und doch zielbewußte Zusammenarbeit junger Menschen jenseits der Parteischlagworte gab. Es trafen sich Jungkonservative, Marxisten, Katholiken und Freidenker, rebellierende ,Alte Kämpfer’ der NSDAP und junge Protestanten auf einer Ebene, auf der sich ein ehrlicher Sozialismus und eine volksgebundene antiimperialistische nationale Haltung als notwendige Einheit erkannten.“ (Paetel, S. 169)

Der Aufbruchkreis
„Überall fehlt die letzte Konsequenz in der Frage der Sozialisierung. Die Zeit, die Zeit treibt mich weiter! Draußen liegen Millionen arbeitslos auf den Straßen. Es kommen täglich Neue hinzu. Draußen hungert man bei vollen Scheunen.“ (Scheringer, Richard: Das große Los unter Soldaten, Bauern und Rebellen. Mit einem Vorwort von Ernst Salomon, Hamburg 1959, nach Paetel, S. 177)

Der Gegnerkreis
„Aber um etwas neues zu bauen (- und wir haben nur einen Bauplatz: das Land, auf dem wir stehen -), wird es zuvor notwendig sein, das Alte und Verhärtete zu zerschlagen. Der Boden muß aufgelockert werden.
Wir wissen, daß die Zweifel von heute die Gewißheit von morgen sein werden, – von jenem Morgen, dem wir dienen, mit der ganzen Kraft unseres Seins.“

„Wir dienen keiner Partei. Wir dienen jenem unsichtbaren Bund von Tausenden, die gegenwärtig vielleicht noch verteilt in allen Lagern stehen, die aber wissen, daß der Tag nah ist, an dem sie zusammenkommen müssen.“ (Schulze-Boysen, Harro in: Gegner, Zeitschrift für neue Einheit, 5. März 1932, nach Paetel, S. 190)

„Es gehört zu der Tragik der deutschen ,Außenseiter’ dieser Zeit, daß sie paradoxerweise nicht zusammenkommen können, obwohl sie theoretisch diese Zusammengehörigkeit alle erstreben und nur bedeutungslose Unterschiede im ,Programmatischen’ und so gut wie keine im Haltungsmäßigen aufzuweisen haben.“ (Paetel, S. 192)

Parole des Gegnerkreises: „Gegner von heute werden Kampfgenossen von morgen sein.“ (Paetel, S. 192)

„Nicht die Zierpflanzen der Besserwisser, die heute die Universitäten und alle weisen Vereinigungen füllen, sind die junge Generation, sondern jene scheinbar ideallosen jungen Männer, die den Hunger ihrer Substanz nicht täuschen lassen, sondern die zu einer unerhörten Neuschaffung des Lebens eingesetzt werden wollen.“ (Faber, Georg Sebastian [Pseudonym für Fred Schmid]: Leonardo, Potsdam 1936; Der Erzkönig. Eine Kampfschrift, Berlin 1933, nach Paetel, S. 196)

Franz Jung über die sogenannten „Gegner-Abende“, Gesprächskreise, die Harro Schulze-Boysen und seine engeren Freunde fast unmerklich leiteten, und in denen überparteilich über die Zukunft Deutschlands gesprochen wurde:

„Es herrschte eine außerordentliche Disziplin, eine merkwürdige Kameradschaft zwischen Links und Rechts. Junge Leute, die sich auf der Straße sofort verprügelt hätten, hörten sich Argumente an, die zudem meist in der Fragestellung vorgetragen wurden, einig in der gemeinsamen Ablehnung des doktrinären, bramarbasierenden Parteibonzentums und der steifnackigen Übermenschen: bekanntlich sind diese in Deutschland auf allen Seiten und in allen Schichten zu finden…“ (Jung, Franz: Der Weg nach unten. Aufzeichnungen aus einer großen Zeit. Neuwied 1962, nach Paetel, S. 199)

„Eine geistige Revolution muß Raum schaffen für das Neue und Kommende. Was ist eine Revolution? – Eine Revolution ist die Neugeburt lebendiger Kräfte eines Volkes. Das Wesen einer Revolution besteht nicht im Blutvergießen, sondern in der Aufspaltung der bisherigen Einheiten. Das Reich des revolutionären Menschen ist nicht von dieser Welt; Es ist inseitig erlebte Wirklichkeit von Morgen. Revolutionär sein ist Schicksal als Aufgabe.“ (Boysen, Elsa: Harro Schulze-Boysen. Das Bild eines Freiheitskämpfers. Zusammengestellt nach seinen Briefen, nach Berichten der Eltern und anderen Aufzeichnungen. Berlin 1947, nach Paetel, S. 202)

„Das Merkmal des gläubigen Menschen ist der furchtlose Einsatz. Sein Wesenszeichen ist die genetische Bewegtheit, das schöpferische Vertrauen zu den tragenden Mächten: ist die Fähigkeit zur Vision. Dem gläubigen Menschen kann nichts mehr geschehen. Er ist geborgen im Leben wie im Tod.“ (Schulze-Boysen, Harro: Gegner von heute – Kampfgenossen von morgen. Berlin 1932, nach Paetel, S. 202 f)

Einheitsfront!

April 23, 2007 dsnation Kommentieren

Die Einheitsfront ist heute eine unabdingbare Grundlage des Kampfes. In einer umfassenden Gegenbewegung ist es dem Kapital spätestens seit dem Verschwinden des sozialistischen Blocks gelungen, die Errungenschaften der Arbeiterklasse schrittweise zurückzudrängen. Es nutzt dabei alle Möglichkeiten, die Werktätigen zu zersplittern und voneinander zu isolieren. So schafft es durch soziale Schichtung über finanzielle Ungleichheiten innerhalb der Arbeiterklasse eine Hierarchie, die eine Bildung gemeinsamer Interessen verhindern soll. Die Behauptung, mit dem Ausbau des Dienstleistungssektors würde das Bestehen einer Arbeiterklasse an sich zunehmend fraglich, soll eine Bewußtwerdung ihrer Lage unter den abhängig Beschäftigten verhindern.

Ganz im Gegenteil aber wächst die Arbeiterklasse stetig an! Nicht nur der Werktätige in der Produktion gehört heute dazu. Das Heer vergrößern Angestellte aller Couleur, Handwerker und kleine Selbständige, kurz: alle, die direkt oder indirekt von Ausbeutung betroffen sind. Gemeinsame Klasseninteressen müssen auch die Bauern haben. Im Osten wie im Westen leben sie oft am Existenzminimum oder müssen in Schwerstarbeit ihre Existenz sichern.

Haben die momentan noch Beschäftigten wenigstens eine kleine Lobby in der vermeintlichen Vertretung ihrer Interessen durch Gewerkschaften und bestimmte Gruppen innerhalb der etablierten Parteien, fehlt diese den Arbeitslosen ganz. Niemand nimmt sich ihrer Interessen an! Niemand unterstützt jene, die bereits heute am schlimmsten unter der ausgebrochenen kapitalistischen Barbarei leiden. Diese Massen in den Kampf um Sozialismus einzubeziehen muß eine der vorrangigsten Aufgaben einer umfassenden sozialistischen Bewegung werden.
Von der herrschenden Klasse wird suggeriert, daß Arbeitslosigkeit ein Makel sei, daß sie der Arbeitslose zumindest zum Teil mitverschuldet habe. Heute soll damit seine schamlose und schrankenlose Ausbeutung zu den absoluten Bedingungen des kapitalistischen Staates mittels des Hartz IV-Gesetzes begründet werden. Die Auflage, jede zumutbare Arbeit (ich ergänze: auch unzumutbare, und zu jeden Bedingungen) anzunehmen, ist moderne Sklaverei! Mit dem Unterschied zu damals, daß es heute jeden treffen kann, der in irgendeiner Form abhängig von der Gnade der Besitzenden ist.
Das Heer der Arbeitslosen, das fast täglich wächst, muß organisiert werden. Es muß in einer Reihe mit den noch beschäftigten Werktätigen stehen. Dabei muß stets klar sein: Arbeitslosigkeit wird vom Kapitalismus gesetzmäßig erzeugt. Sie ist dem System eingeschrieben. In seiner Endphase, der zunehmenden Barbarei, wird sie zu einem Massenphänomen und trägt gleichzeitig den Keim des Umsturzes in sich. Pflegen wir diesen Keim und ziehen wir daraus die kräftige Pflanze der Revolution.

Den Werktätigen, die heute noch auf die Vertretung ihrer Interessen durch die etablierten Parteien hoffen, sei gesagt: keine politische Institution und Organisation, die aus den Töpfen des Kapitals bezahlt wird, ist jemals in der Lage, eine grundlegende Besserung oder gar Veränderung der bestehenden Verhältnisse herbeizuführen. Mit zunehmender Verweildauer wird ihre Korruption und Korrumpierbarkeit zunehmen. In diesem Sinne können die Mitglieder der etablierten politischen Einrichtungen keine Volksvertreter sein, sondern lediglich Funktionäre des Kapitals und seiner Interessen. Nur eine unabhängige sozialistische Organisation, die vom werktätigen Volk getragen wird und es hinter sich weiß, kann diese Zustände ändern. Diese Organisation gilt es aufzubauen. Packen wir es an!

Einheitsfrontlied

Und weil der Mensch ein Mensch ist,
drum braucht er was zum Essen, bitte sehr.
Es macht ihn ein Geschwätz nicht satt,
das schafft kein Essen her.
Drum links, zwei, drei! Drum links, zwei, drei!
Wo dein Platz, Genosse, ist!
Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront,
weil du auch ein Arbeiter bist.

Und weil der Mensch ein Mensch ist,
drum braucht er auch noch Kleider und Schuh.
Es macht ihn ein Geschwätz nicht warm
Und auch kein Trommeln dazu.
Drum links, zwei, drei! Drum links, zwei, drei!
Wo dein Platz, Genosse, ist!
Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront,
weil du auch ein Arbeiter bist.

Und weil der Mensch ein Mensch ist,
drum hat er Stiefel im Gesicht nicht gern.
Er will unter sich keinen Sklaven sehn
und über sich keinen Herrn.
Drum links, zwei, drei! Drum links, zwei, drei!
Wo dein Platz, Genosse, ist!
Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront,
weil du auch ein Arbeiter bist.

Und weil der Prolet ein Prolet ist,
drum wird ihn auch kein anderer befrein.
Es kann die Befreiung der Arbeiter nur
das Werk der Arbeiter sein.
Drum links, zwei, drei! Drum links, zwei,drei!
Wo dein Platz, Genosse, ist!
Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront,
weil du auch ein Arbeiter bist.

Musik: Hanns Eisler
Text: Bertolt Brecht
© Deutscher Verlag für Musik, Leipzig