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Archiv für die Kategorie ‘Ernst Jünger’

deutsche Freiheit

April 23, 2007 dsnation Kommentieren

„Denn in diesem Lande ist ein Begriff der Freiheit unvollziehbar, der sich wie ein feststehendes und in sich selbst inhaltloses Maß auf jede beliebige Größe anwenden lässt, die man ihm unterwirft. Es hat vielmehr von jeher dies gegolten: dass das Maß an Freiheit, über das eine Kraft verfügt, genau dem Maße an Bindung entspricht, das ihr zugeteilt ist, und dass sich im Umfange des befreiten Willens der Umfang der Verantwortung offenbart, die diesem Willen seine Berechtigung und Gültigkeit erteilt. Dies bringt sich so zum Ausdruck, dass nichts anderes in unsere Wirklichkeit, also in unsere Geschichte in ihrer höchsten, schicksalsmäßigen Bedeutung einzugehen vermag, als was das Siegel dieser Verantwortung trägt. Über dieses Siegel braucht nicht gesprochen zu werden, denn da es unmittelbar verliehen wird, so sind auch Zeichen darein geritzt, die ein stets bereiter Gehorsam unmittelbar zu lesen versteht.
So ist es: dass unsere Freiheit überall dort am mächtigsten sich offenbart, wo sie von dem Bewußtsein getragen wird, dass sei ein Lehen ist. Dieses Bewusstsein hat sich in all jenen unvergesslichen Aussprüchen niedergeschlagen, mit denen der Uradel der Nation den Wappenschild des Volkes bedeckt; es regiert Denken und Gefühl, Tat und Werk, Staatskunst und Religion. Daher wird jedes Mal die Welt in ihren Grundfesten erschüttert, wenn der Deutsche erkennt, was Freiheit: das heißt: wenn er erkennt, was das Notwendige ist. Hier lässt sich nichts abdingen, und möge die Welt untergehen, so muß doch das Gebot vollstreckt werden, wenn der Ruf vernommen ist.“

(aus Jünger, Ernst: Der Arbeiter: Herrschaft und Gestalt)

Kategorien:Ernst Jünger, Freiheit