In eins nun die Hände!
Nachfolgende Zitate sind, wie schon an früherer Stelle, Karl Otto Paetels Buch Nationalbolschewismus und nationalrevolutionäre Bewegungen in Deutschland, Schnellbach 1999 entnommen. Es stellt für den interessierten Suchenden einen sehr guten Einstieg in Konzeptionen dar, die Nation und Sozialismus als natürliche Einheit betrachten.
Sozialrevolutionäre Nationalisten
„Es zeigte sich, daß es Möglichkeiten für eine freiheitliche ,überbündische’ und doch zielbewußte Zusammenarbeit junger Menschen jenseits der Parteischlagworte gab. Es trafen sich Jungkonservative, Marxisten, Katholiken und Freidenker, rebellierende ,Alte Kämpfer’ der NSDAP und junge Protestanten auf einer Ebene, auf der sich ein ehrlicher Sozialismus und eine volksgebundene antiimperialistische nationale Haltung als notwendige Einheit erkannten.“ (Paetel, S. 169)
Der Aufbruchkreis
„Überall fehlt die letzte Konsequenz in der Frage der Sozialisierung. Die Zeit, die Zeit treibt mich weiter! Draußen liegen Millionen arbeitslos auf den Straßen. Es kommen täglich Neue hinzu. Draußen hungert man bei vollen Scheunen.“ (Scheringer, Richard: Das große Los unter Soldaten, Bauern und Rebellen. Mit einem Vorwort von Ernst Salomon, Hamburg 1959, nach Paetel, S. 177)
Der Gegnerkreis
„Aber um etwas neues zu bauen (- und wir haben nur einen Bauplatz: das Land, auf dem wir stehen -), wird es zuvor notwendig sein, das Alte und Verhärtete zu zerschlagen. Der Boden muß aufgelockert werden.
Wir wissen, daß die Zweifel von heute die Gewißheit von morgen sein werden, – von jenem Morgen, dem wir dienen, mit der ganzen Kraft unseres Seins.“
„Wir dienen keiner Partei. Wir dienen jenem unsichtbaren Bund von Tausenden, die gegenwärtig vielleicht noch verteilt in allen Lagern stehen, die aber wissen, daß der Tag nah ist, an dem sie zusammenkommen müssen.“ (Schulze-Boysen, Harro in: Gegner, Zeitschrift für neue Einheit, 5. März 1932, nach Paetel, S. 190)
„Es gehört zu der Tragik der deutschen ,Außenseiter’ dieser Zeit, daß sie paradoxerweise nicht zusammenkommen können, obwohl sie theoretisch diese Zusammengehörigkeit alle erstreben und nur bedeutungslose Unterschiede im ,Programmatischen’ und so gut wie keine im Haltungsmäßigen aufzuweisen haben.“ (Paetel, S. 192)
Parole des Gegnerkreises: „Gegner von heute werden Kampfgenossen von morgen sein.“ (Paetel, S. 192)
„Nicht die Zierpflanzen der Besserwisser, die heute die Universitäten und alle weisen Vereinigungen füllen, sind die junge Generation, sondern jene scheinbar ideallosen jungen Männer, die den Hunger ihrer Substanz nicht täuschen lassen, sondern die zu einer unerhörten Neuschaffung des Lebens eingesetzt werden wollen.“ (Faber, Georg Sebastian [Pseudonym für Fred Schmid]: Leonardo, Potsdam 1936; Der Erzkönig. Eine Kampfschrift, Berlin 1933, nach Paetel, S. 196)
Franz Jung über die sogenannten „Gegner-Abende“, Gesprächskreise, die Harro Schulze-Boysen und seine engeren Freunde fast unmerklich leiteten, und in denen überparteilich über die Zukunft Deutschlands gesprochen wurde:
„Es herrschte eine außerordentliche Disziplin, eine merkwürdige Kameradschaft zwischen Links und Rechts. Junge Leute, die sich auf der Straße sofort verprügelt hätten, hörten sich Argumente an, die zudem meist in der Fragestellung vorgetragen wurden, einig in der gemeinsamen Ablehnung des doktrinären, bramarbasierenden Parteibonzentums und der steifnackigen Übermenschen: bekanntlich sind diese in Deutschland auf allen Seiten und in allen Schichten zu finden…“ (Jung, Franz: Der Weg nach unten. Aufzeichnungen aus einer großen Zeit. Neuwied 1962, nach Paetel, S. 199)
„Eine geistige Revolution muß Raum schaffen für das Neue und Kommende. Was ist eine Revolution? – Eine Revolution ist die Neugeburt lebendiger Kräfte eines Volkes. Das Wesen einer Revolution besteht nicht im Blutvergießen, sondern in der Aufspaltung der bisherigen Einheiten. Das Reich des revolutionären Menschen ist nicht von dieser Welt; Es ist inseitig erlebte Wirklichkeit von Morgen. Revolutionär sein ist Schicksal als Aufgabe.“ (Boysen, Elsa: Harro Schulze-Boysen. Das Bild eines Freiheitskämpfers. Zusammengestellt nach seinen Briefen, nach Berichten der Eltern und anderen Aufzeichnungen. Berlin 1947, nach Paetel, S. 202)
„Das Merkmal des gläubigen Menschen ist der furchtlose Einsatz. Sein Wesenszeichen ist die genetische Bewegtheit, das schöpferische Vertrauen zu den tragenden Mächten: ist die Fähigkeit zur Vision. Dem gläubigen Menschen kann nichts mehr geschehen. Er ist geborgen im Leben wie im Tod.“ (Schulze-Boysen, Harro: Gegner von heute – Kampfgenossen von morgen. Berlin 1932, nach Paetel, S. 202 f)