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Archiv für die Kategorie ‘sozialistische Nation’

historische Definitionen mit aktuellem Bezug

Mai 21, 2007 dsnation 4 Kommentare

sozialistische Nation
Durch die sozialistische Revolution und den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft gestaltet sie [die Arbeiterklasse; heute: die Einheitsfront der Unterdrückten, d. Verf.] die Existenzgrundlagen der Nation um, gibt ihr einen neuen Inhalt und schafft damit einen qualitativ höheren Typ der nationalen Gemeinschaft, die sozialistische Nation. Bei dieser Umgestaltung bleibt die ethnische Grundlage der Nation im wesentlichen erhalten (Sprache, Beziehung zum Territorium, spezifische Besonderheiten der Kultur und der Sozialpsyche, Sitten, Gebräuche, Lebensgewohnheiten), während sich die soziale Natur der Nation grundlegend verändert (ökonomische und politische Beziehungen, Sozialstruktur, Inhalt der Kultur und Ideologie). Die sozialistische Nation beruht auf der sozialistischen Produktionsweise. Sie kennt keine Klassenantagonismen, sondern ist durch eine wachsende politisch-moralische Einheit des Volkes gekennzeichnet […] Die sozialistische Nation gewinnt zugleich ein neues Verhältnis zu den anderen Nationen. Wenn für die Beziehungen zwischen den kapitalistischen Nationen Feindschaft, Streben nach Unterdrückung, Übervorteilung und Ausbeutung anderer Nationen charakteristisch sind, so werden die Beziehungen zwischen den sozialistischen Nationen durch die Prinzipien des proletarischen Internationalismus [oder: der Völkerfreundschaft, d. Verf.] bestimmt. Die sozialistische Nation und die nationalen Beziehungen im Sozialismus sind durch Wechselwirkung nationaler und internationaler Züge charakterisiert. Im Ergebnis dieses Prozesses entsteht eine internationale Gemeinschaft gleichberechtigter sozialistischer Nationen […] Bürgerlich-kosmopolitische Vorstellungen von der Schaffung eines übernationalen „Weltstaates“ haben mit der [...] Theorie und dem sozialistischen Internationalismus nichts gemein. Sie spielen nur dem Imperialismus in die Hände und richten sich objektiv gegen die freie Entwicklung der sozialistischen Nationen und der national befreiten Staaten.

Nationalbewußtsein
Zusammenfassende Bezeichnung für die Inhalte des gesellschaftlichen Bewußtseins, welche die ‚Existenzbedingungen, die geschichtliche Entwicklung, die aktuelle Situation und die hieraus erwachsenden wesentlichen Aufgaben einer Nation vom Standpunkt einer bestimmten Klasse widerspiegeln. Das Nationalbewußtsein ist keine besondere Form des gesellschaftlichen Bewußtseins, sondern existiert im weltanschaulichen, politischen, moralischen und ästhetischen Bewußtsein und vermittels dieser Bewußtseinsformen. Da an die Existenz von Nationen gebunden, hat sich ein entwickeltes Nationalbewußtsein erst mit der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft und der hierauf beruhenden kapitalistischen Nation herausgebildet, obwohl einzelne seiner Elemente bereits eine längere Geschichte besitzen. Das Nationalbewußtsein ist nicht klassenindifferent, es hat Klassencharakter, da es immer durch die Beziehungen einer bestimmten Kasse zur Nation und durch die Interessen dieser Klasse geprägt wird. Das Nationalbewußtsein äußert sich im allgemeinen in dem Bewußtsein, einer Nation zuzugehören, mit ihr verbunden zu sein, in der Bereitschaft und dem Willen, die Rechte und Interessen dieser Nation zu verteidigen und zu ihrer Entwicklung beizutragen, im Stolz auf die Leistungen und Errungenschaften der Nation, wobei die verschiedenen Klassen unterschiedliche Auffassungen hierüber besitzen.

nationale Frage
zusammenfassende Bezeichnung für den Komplex von Fragen des gesellschaftlichen Lebens, der die Entwicklungsbedingungen der Nation, die Rechte und die Beziehungen der Nationen zueinander sowie der nationalen Gruppen innerhalb eines multinationalen Staates umfaßt. Die nationale Frage entsteht mit der Herausbildung der Nation als Struktur- und Entwicklungsform der Gesellschaft, umfaßt solche Momente des gesellschaftlichen Lebens wie nationale Unabhängigkeit, Selbstbestimmung der Nationen, nationale Einheit, nationale Gleichberechtigung, Beseitigung nationaler Unterdrückung und nationaler Privilegien und wird in ihrem Inhalt jeweils durch die grundlegenden sozialen Prozesse der Epoche bestimmt. Die nationale Frage ist stets eine Klassenfrage. Sie steht im engsten Zusammenhang mit dem Kampf um die Lösung von Grundproblemen des gesellschaftlichen Fortschritts, so daß nationale Bewegungen immer mit den revolutionären Bewegungen ihrer Epoche verbunden sind […] In den imperialistischen Ländern selbst geraten die herrschenden Kreise des Monopolkapitals immer mehr in Gegensatz zur Nation und zu deren Interessen, so daß die Beseitigung der Herrschaft des Imperialismus zu einer wesentlichen Voraussetzung für die Lösung der nationalen Frage wird […] So ist die nationale Frage in unserer Epoche untrennbar mit dem Kampf gegen den Imperialismus und dem […] Übergang zum Sozialismus verbunden. Im Sozialismus ergeben sich völlig neue Probleme der Entwicklung der Nation. Ihr Hauptinhalt besteht darin, die nationalen Traditionen und Besonderheiten so zu nutzen, daß sie zu Triebkräften für die schnelle Entwicklung der Produktivkräfte und die Festigung der sozialistischen Produktionsverhältnisse werden. Auf diesem Wege und auf dem Wege der Gemeinsamkeit der Gesellschaftsordnung festigt sich die ökonomische, wissenschaftliche, technische und kulturelle Zusammenarbeit der sozialistischen Länder. Hierbei bildet sich eine neue internationale Gemeinschaft sozialistischer Nationen heraus […] Von folgenden Grundsätzen [wird ausgegangen]: a) von der völligen Gleichberechtigung aller Nationen; b) vom Selbstbestimmungsrecht aller Nationen und c) vom proletarischen Internationalismus [besser: von der Völkerfreundschaft, d. Verf.].

Nationalisierung
Überführung von Produktionsmitteln (Betriebe, Grund und Boden usw.) aus dem Eigentum einzelner Personen und Körperschaften in staatliches Eigentum. Der Charakter der Nationalisierung hängt vom Wesen des jeweiligen Staates ab. Die Nationalisierung kann entschädigungslos oder gegen Entgelt erfolgen. Die kapitalistische Nationalisierung besteht in der Überführung privatkapitalistischer Unternehmen, z. T. auch ganzer Industriezweige, in das Eigentum des bürgerlichen Staates, meist gegen hohe finanzielle Abfindungen. Zumeist handelt es sich um unrentable, nicht mehr konkurrenzfähige Betriebe und Wirtschaftszweige. Vielfach werden diese Einrichtungen nach ihrer mit Staatsmitteln erfolgten Modernisierung zu niedrigen Preisen wieder an die Unternehmer zurückgegeben (Reprivatisierung), wodurch die Kapitalisten und ihre Vereinigungen an der Nationalisierung und auch an der Reprivatisierung profitieren. Auch militärisch-strategische Überlegungen können zur Nationalisierung führen. Im allgemeinen ist die Monopolbourgeoisie an großen Nationalisierungen nicht interessiert. Und betreibt immer wieder die Reprivatisierung. Durch die kapitalistische Nationalisierung wird die Ausbeutung der Werktätigen nicht beseitigt und der Charakter der kapitalistischen Ordnung insgesamt nicht angetastet. Dennoch kämpft die Arbeiterklasse für die Nationalisierung bestimmter Schlüsselindustrien und –unternehmen als eine Möglichkeit, z. B. über die Mitbestimmung der Arbeiter Schritte zur Einschränkung der Macht der Monopole einzuleiten. Die Mitbestimmung erfüllt jedoch nur dann ihre Aufgaben im Interesse der Arbeiterklasse, wenn sie die Zurückdrängung der Macht der Monopole und schließlich ihre Überwindung zum Ziel hat. Die Nationalisierung bietet auch günstige Voraussetzungen für die Schaffung des sozialistischen Eigentums, weil bereits ein hoher Grad der Vergesellschaftung der Produktionsmittel erreicht ist und die Arbeiterklasse nach Beseitigung des kapitalistischen Staates diese Betriebe relativ leicht in Volkseigentum überführen kann.
Die Nationalisierung in den national befreiten Ländern erfaßt vorwiegend die Unternehmen des ausländischen Monopolkapitals und der mit ihm verflochtenen einheimischen Großbourgeoisie sowie teilweise auch die Ländereien der Feudalherren. Sie ist von großer Bedeutung für die Entwicklung einer unabhängigen Wirtschaft dieser Länder. Ihr Charakter wird wesentlich durch die sozialökonomische Entwicklungsrichtung dieser Staaten bestimmt.
Die sozialistische Nationalisierung ist die revolutionäre Beseitigung des Eigentums der Ausbeuterklasse an den wichtigsten Produktionsmitteln durch die sozialistische Staatsmacht und die Überführung der kapitalistischen Unternehmen in staatliches sozialistisches Eigentum (Volkseigentum). Sie beginnt mit der Übernahme der ökonomischen Schlüsselpositionen, wie der Grundstoff- und der Schwerindustrie, des Transport- und Nachrichtenwesens, der Banken und des Außenhandels. Mit der sozialistischen Nationalisierung wird die ökonomische Grundlage der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigt.

Nationalkultur
Historische Entwicklungsform der Kultur in nationalen Gemeinschaften […] Die sozialistischen Nationalkulturen entstehen im Prozeß der sozialistischen Kulturrevolution. Historisch neuartige Momente der nationalkulturellen Entwicklung im Sozialismus sind: die Überwindung des Antagonismus der kulturellen Entwicklung durch die Beseitigung des Gegensatzes zwischen herrschender Kultur und Kultur der Arbeiterklasse und der anderen Werktätigen; die aktive und bewußte Beziehung der kulturellen Entwicklung auf das Kulturerbe der eigenen Nation und der Leistungen der Weltkultur; die Prozesse der Annäherung und neuartiger Differenzierung im kulturellen Verhalten der sozialen Klassen und Schichten im Sozialismus […] Die Umwandlung der bürgerlichen Nationalkultur in eine sozialistische Nationalkultur ist Bestandteil der Konstituierung der sozialistischen Nation. In Wechselbeziehung mit den sozialökonomischen und politischen Verhältnissen entwickelt sich die nationale Psyche und Mentalität weiter, fördert das Nationalbewußtsein und überwindet zählebige Traditionen des bürgerlichen Nationalismus und Egoismus. Mit der Ausprägung sozialistischer Lebensweise, der Veränderung von Denk- und Verhaltensweisen, Sitten und Lebensgewohnheiten, Idealen und Wertvorstellungen erhält das Ethos eine neue Sinn- und Inhaltserfüllung. Es ist bestimmt von der unauflöslichen Verbindung zwischen proletarischem Internationalismus und sozialistischem Patriotismus. Der politische und soziale Inhalt des Patriotismus und der sozialistischen deutschen Nationalkultur bezieht sich auf historischen Platz und revolutionäre Aufgaben, auf Geschichte und Errungenschaften des Landes und des Staates […] und ist zugleich Ausdruck der unantastbaren Souveränität und territorialen Integrität der Heimatlandes […] Die Kultur verleiht den Angehörigen der sozialistischen Nationen ein lebendiges Gefühl der Zusammengehörigkeit, sie schafft ein Bewußtsein der nationalen Identität, das frei ist von nationaler Überheblichkeit und Vorurteilen gegenüber anderen Völkern und Nationen. Die Entwicklung der sozialistischen deutschen Nationalkultur hat wesentlichen Anteil an der Festigung der kulturellen Identität ihrer Bürger. Das schließt die Entdeckung und Wahrung der historischen und kulturellen Traditionen der Nation, die Entwicklung der nationalen Identität und Psyche auf neuen sozialökonomischen Grundlagen, die Möglichkeit der Ausbildung eines sozial einheitlichen Nationalcharakters, die Pflege der Nationalsprache und der nationalen Künste ein. Zur Entwicklung kultureller Identität und zur Förderung nationalen Selbstbewußtseins in Gegenwart und Zukunft gehört die Fähigkeit, die wissenschaftlich-technische Revolution zu meistern, ihre Ergebnisse für die Erhöhung des Lebensniveaus und der Persönlichkeitsentwicklung aller Mitglieder der Gesellschaft einzusetzen. Das betrifft sowohl die Ergebnisse der nationalen Forschung, Entwicklung und Produktion wie die durch internationalen Austausch und weltweite Kommunikation ins Land gelangenden Produkte „fremder Klimate und Länder“. Nationalbewußtsein und Heimatverbundenheit können wirksam gefördert werden, indem die soziale und emotionale Bindung der Menschen an die heimatliche Landschaft, an die Region, in der sie leben, in die nationalkulturelle Entwicklung einbezogen werden. Neben den nationalen Traditionen kommt der Ausbildung regionaler Besonderheiten, der Beachtung und Nutzung regionaler Unterschiede in Umwelt und Lebensweise wie auch den regionalen Besonderheiten in der Mentalität und Psyche der Bevölkerung besondere Bedeutung zu. Regionale Bezüge in den kulturellen Angeboten, die geschichtliche und natürliche Spezifika der jeweiligen Stadt, des Dorfs, der Landschaft berücksichtigen, haben sich bewährt und sind weiter auszubauen, um die Vielfalt, Farbigkeit und Volksverbundenheit der sozialistischen Nationalkultur kräftig zu entfalten.

Nationalreichtum
Gesamtheit der materiellen und geistigen Güter, über die eine Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügt. Der Nationalreichtum ist, in Abhängigkeit von den Produktionsverhältnissen, Eigentum der gesamten Gesellschaft oder einzelner Klassen, Gruppen oder Personen. Der Nationalreichtum spiegelt die Ergebnisse der gesamten vorhergehenden Entwicklung der Gesellschaft wider. Zum Nationalreichtum gehören das Volksvermögen (d. h. alle materiellen güter, die durch die Arbeit des Menschen geschaffen wurden), alle erschließbaren natürlichen Ressourcen (Bodenschätze, Wälder, Wasserkräfte, bearbeitete und zur Bearbeitung geeignete Böden usw.), im weiteren Sinne auch die Produktionserfahrungen, die Kenntnisse und die Qualifikation der Arbeitskräfte, die Entwicklungsstufe der Wissenschaft und die Werke der Kunst. Im Gegensatz zum Kapitalismus, in dem der überwiegende Teil des Nationalreichtums den Ausbeuterklassen gehört, ist im Sozialismus das Privateigentum an den Produktionsmitteln beseitigt, der Nationalreichtum gehört dem werktätigen Volk.

Vgl. Kleines Politisches Wörterbuch, Berlin 1988

Das Ziel einer sozialistischen Nation als Maßstab des Handelns

April 23, 2007 dsnation Kommentieren

Bei allen Überlegungen zu einer sozialistischen Nation, verstanden als Aufbau des Sozialismus in einem Land, dem andere Länder folgen, muß bei der Verwendung dieses Begriffes die imperialistische Hauptstrategie als reaktionärster Inhalt des Kapitalismus gebührend berücksichtigt werden: der Antikommunismus, vorerst sich äußernd als Antisozialismus. Er hat sich über die Zeiten immer wieder gewandelt, wandeln müssen, um sich den veränderten Realitäten anzupassen. Momentan erscheint er in folgenden Richtungen:

•Beschwörung der kapitalistischen Ordnung als Ende der Geschichte, als beste Form des Zusammenlebens der Menschen untereinander, verbunden mit einer immer schwieriger werdenden Vertuschung der unübersehbaren und sich stetig ausweitenden kapitalistischen Krise.
•Leugnung, Verleumdung und Diffamierung der sozialen Errungenschaften der ehemaligen sozialistischen Staaten, die mit ihrem Zusammenbruch beseitigt wurden.
•ständige verbale Angriffe und massive militärische und wirtschaftliche Drohungen gegen jene Staaten, die sich auf dem Weg zum Sozialismus befinden und sich dabei einer gewaltigen kapitalistischen Übermacht gegenübersehen.
•Versuche, mit Hilfe des bürgerlichen Nationalismus die Arbeiterklasse einzelner Länder gegeneinander auszuspielen, um ihre Vereinigung zu verhindern. Ihr Klasseninteresse soll durch ein scheinbar nationales Interesse ersetzt werden, um die Bewußtwerdung ihrer weltweiten Macht zu verhindern.
•unaufhörliche Bekämpfung der sozialistischen Weltanschauung, um die von ihr erkannten Gesetzmäßigkeiten zu diskreditieren und die Notwendigkeit des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus zu leugnen.

Wie kann man auf diese Strategien reagieren? Tatsächlich nur, indem man die Grundlagen und wirklichen Zusammenhänge des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Lebens der heutigen Zeit immer deutlicher darlegt und die tatsächlichen Ziele und humanistischen Bestrebungen des Sozialismus verbreitet.
Gerade in vermeintlich fortschrittlichen Kreisen wird deutlich, welche Ausmaße antisozialistisches Denken annehmen kann. Wenn zum Beispiel nicht mehr konkret dargelegt werden kann, wofür man ist, sondern nur noch, wogegen, verfällt man dieser Ideologie. Jede mögliche Aktion verkommt zur bloßen Reaktion auf eine sich ständig – wenn auch zu Ungunsten des Imperialismus – verändernde Realität.
Insbesondere die bürgerliche so genannte Linke scheint für diese Gefahr anfällig zu sein. Revisionismus und Opportunismus treten dort auf, wo es darum gehen sollte, die keineswegs dogmatische Lehre des Marxismus weiterzuentwickeln und auf die heutigen Verhältnisse anzupassen. Eine weitere Spielart ist der Linksradikalismus, den Lenin als „die Kinderkrankheit im Kommunismus“ bezeichnete. Hier wird die Revolution verabsolutiert, in einem stetigen und unorganisierten Kampf gegen alles vermeintlich oder wirklich Einengende das politische Abenteuer gesucht. Unfertige anarchistische Gesellschaftsentwürfe stehen einer notwendigen Organisierung der Arbeiterklasse und einer Entwicklung ihres Klassenbewußtseins gegenüber. Diese „Kleinarbeit“ lehnt man ab und versucht sich in permanentem Aktionismus, der, wie oben beschrieben, aufgrund seiner Anti-Haltung doch nur ein Reaktionismus bleibt.
Sowohl Revisionismus und Opportunismus wie ein so verstandener Linksradikalismus hemmen den Klassenkampf. Will ein wirklicher Sozialismus Verantwortung übernehmen, muß er sich von solchen Strömungen distanzieren. Eine flexible Anpassung an herrschende Verhältnisse als Integration aktueller Entwicklungen in seine Bestrebungen bleibt aber, jenseits aller starren Konzepte, seine vordringliche Aufgabe.
Die Untermauerung dieser Thesen findet sich unter anderem in Einführung in die marxistisch-leninistische Philosophie, Berlin 1988.

Insbesondere in Deutschland muß ein wirklicher Sozialismus sich die nationale Frage immer unter der Berücksichtigung der Auswirkungen des verbrecherischen Hitlerregimes stellen. Er muß diese Frage der Bourgeoisie ein für allemal entreißen und sie in seinem fortschrittlichen Sinne beantworten. Jenseits von allen chauvinistischen und imperialistischen Bestrebungen muß er die Nation zum Thema der körperlich und geistig Schaffenden machen und schließlich die Geschicke der Nation in ihre Hände legen. Eine wirklich eigenständige deutsche Nation verlangt daher eine unbedingte Trennung vom bürgerlichen Nationenbegriff, der in seiner reaktionärsten Ausprägung in Faschismus mündet. Durch die sozialistische Ausgestaltung des Begriffs verliert dieser seinen Charakter als Herrschafts- und Unterdrückungsinstrument und öffnet die Möglichkeit des Anknüpfens an fortschrittliche Entwicklungen in anderen Ländern. So wird die sozialistische Nation zu einer Basis der internationalen Solidarität, des Händereichens der Arbeiterklasse über Grenzen hinweg. Damit kann es gelingen, die Heimatliebe jedes Einzelnen mit dem Kampf für eine lohnende Zukunft aller noch Unterdrückten anderer Länder zu verbinden. Nationales Interesse und Klasseninteresse der Arbeiter gehen damit Hand in Hand. Das Nationalgefühl kann nicht mehr als Mittel zur Spaltung der Arbeiterklasse im internationalen Rahmen eingesetzt werden.

Es geht um viel: um eine fortschrittliche, zukunftsweisende, kreative Verbindung von Heimatliebe und Weltoffenheit, Nation und Internationalismus.
Es geht darüber hinaus um die Neubestimmung und Erlangung von persönlicher Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung, Sein und Bewußtsein, den Einzelnen und die Gesellschaft.
Wenn, nach reiflicher Überlegung, in diesen Zusammenhängen sich neue Begrifflichkeiten des Beschreibens und Handelns als geeignet erweisen sollten, müssen entsprechende Konsequenzen die Möglichkeiten einer neuen Fassung von Heimatliebe, sozialistischer Gesellschaftsordnung und länderübergreifender Klassenlage ausloten. Es ist nicht zu erwarten, daß dabei das Konzept einer sozialistischen Nation ad acta gelegt werden kann. Sie kann deshalb als gemeinsame Basis und Forderung aller heimatliebenden und weltweit solidarischen fortschrittlichen Kräfte dienen.

Die sozialistische Nation

April 23, 2007 dsnation Kommentieren

Der Hitlerfaschismus und seine Ergebnisse scheinen das Zusammenfügen der Begriffe Nation und Sozialismus nach seinem Ende unmöglich gemacht zu haben. In der öffentlichen Meinung der alten BRD und im wiedervereinigten Deutschland galt und gilt seither ein Mensch, der das tut, als zumindest politisch anrüchig oder gar gefährlich. Daß der fortschrittliche Begriff der sozialistischen Nation, der in der DDR entstand, existiert und auch heute Gültigkeit beanspruchen darf, wird dabei gern übersehen.
Doch nicht das Zusammenfügen von Sozialismus und Nation selbst, wohl aber seine Be- und Verurteilungen entspringen der Herrschaft des sogenannten Nationalsozialismus in Deutschland und seiner Folgen, die auch eine vollständige Begriffsverwirrung zeitigten. Die insbesondere westalliierte – und verlogene – Umerziehung nach Ende des Zweiten Weltkriegs tat ihr Übriges, um erstens beide Begriffe für sich genommen und zweitens ihre gemeinsame Nennung im Zusammenhang mit Deutschland für immer zu diskreditieren. Dabei wurde wohlweislich verschwiegen, was auch schon der Nationalsozialismus selbst verschleiern wollte: daß er selbst spätestens seit der Machtergreifung Hitlers falsche Flagge zeigte, die nur aufgezogen wurde, um die verzweifelten Massen in Deutschland hinter sich zu bringen und dann vor seinen mörderischen Karren zu spannen. Er war wörtlich und inhaltlich eine bewußte Lüge, die das deutsche Volk und die Völker der Welt Millionen Opfer kostete. Es gab ihn nur als Maske, bei der die Maskenbildner Sorge trugen, das dahinter befindliche wahre Gesicht so lange wie möglich bedeckt zu halten. Doch gab es von Anfang an aufrechte Menschen, wirkliche Sozialisten, die hinter der Maske eine häßliche Fratze vermuteten. Sie sollten recht behalten. Die verzerrte macht- und geldgierige Visage des deutschen Imperialismus kam zum Vorschein, der zur Eroberung der Welt ansetzte, nicht ohne sich vorher in Deutschland eine Basis zu schaffen, die ihm Menschenmaterial und Technik lieferte. Um das deutsche Volk vollends zu blenden, beseitigte er zunächst scheinbar die Folgen des Versailler Diktats und schloß, vermeintlich in guter deutscher Tradition stehend, sogar einen Nichtangriffspakt mit der sozialistischen Sowjetunion ab. Um dann zu seinem Hauptschlag auszuholen: dem Angriff auf seinen Bündnispartner. Hierbei konnte er sich der stillen, später auch lauter geäußerten Solidarität seiner europäischen und amerikanischen kapitalistischen Konkurrenten auf dem Weltmarkt sicher sein. Doch er unterschätzte zwei Faktoren: die Wehrkraft und Heimatliebe der sowjetischen Völker und das riesige sowjetische Land auf der einen und den Machtwillen der Westmächte auf der anderen Seite. Nicht nur schlugen sie sich offiziell nie auf seine Seite, sondern sahen nunmehr die Chance gekommen, den unliebsamen Konkurrenten um Vormachtstellung, Märkte und Bodenschätze aus dem Felde zu schlagen. Selbst versteckt und offen rassistisch, nutzten sie nun auch diesen Teil der Hitlerschen Ideologie, um den Kampf gegen den Machtkonkurrenten zu forcieren. Unterstellt man, daß ihnen die rassistischen Vorgänge in Deutschland wesentlich länger bekannt waren, als sie zugaben, muß auch dieser Aspekt ihres Kampfes als weniger humanistisch als taktisch motiviert eingeschätzt werden. Diese Einschätzung betrifft nicht das ehrliche Entsetzen der einfachen Soldaten und Offiziere und der zivilen Welt, wohl aber die politische Führung der Westalliierten.
Der Rassismus war in der Tat der verwerflichste und menschenverachtendste Aspekt im Dritten Reich. In seiner Endkonsequenz ist er, wenn überhaupt, nur mit dem Radikalisierungsprozeß zu erklären, dem angesichts der fortschreitenden militärischen Niederlage die wahnhaften Vorstellungen der nationalsozialistischen Führer unterlagen. Eine Grundlage dafür bildeten allerdings bereits Hitlers frühe Ideen. Gepaart mit dem Zeitalter des Kapitalismus, der fortschreitenden Industrialisierung und der Technisierung von immer weiteren Lebensbereichen erreichten sie einen mörderischen Höhepunkt, der Millionen Opfer hinterließ und nicht wieder gutzumachendes Leid erzeugte.
Man täusche sich aber nicht: der Wahnsinn hatte Methode, fand idealen Nährboden in den imperialistischen Bestrebungen, in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, in der prinzipiell der Stärkere den Schwächeren auslöschen will.
Vor diesem verbrecherischen Hintergrund nun erscheinen die Begriffe Nation und Sozialismus. In ihrer Verbindung als Nationalsozialismus sind sie mißbraucht und beschmutzt worden. Dieses Wort wird für lange Jahre, vielleicht für immer, geächtet sein.
Durch einen beherzten Schritt aber wurden beide Begriffe in der DDR gerettet. Ihre ursprünglich fortschrittliche Bedeutung konnte ihnen zurückgegeben werden. In der Verbindung zur sozialistischen Nation können sie beanspruchen, von hervorragender Bedeutung zu sein. Bereits vor und während der Zeit des Nationalsozialismus gehörten wirkliche Sozialisten als Patrioten zu seinen schärfsten Kritikern und Gegnern. Sie erkannten seine wahre Gestalt und wurden zu überzeugten Antifaschisten.
Als sozialistischer Patriotismus verband sich diese Haltung mit ihrer Erweiterung, dem proletarischen Internationalismus, und beschrieb nicht nur in der DDR eine Geisteshaltung, die jedem ihrer Bürger zu eigen sein sollte.
Was aber ist nun eine sozialistische Nation? Kurz gesagt kann gelten:
Als sozialistische Nation kann die Struktur- und Entwicklungsform einer Gesellschaft mit gemeinsamer Kultur, Sprache, Geschichte und gemeinsamem Territorium bezeichnet werden, in der die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen dauerhaft beseitigt ist. Die zwischen kapitalistischen Nationen zu beobachtende Feindschaft, Unterdrückung, Übervorteilung und Ausbeutung anderer Nationen weicht in den Beziehungen zwischen sozialistischen Nationen wirklicher Freundschaft, Gleichberechtigung, Zusammenarbeit und der freien Entwicklung jeder Nation.
Weitere Aspekte, die diese Definition nach sich zieht, sind unschwer mit Inhalt zu füllen, wenn die Leitlinie stets berücksichtigt wird.
Der Aufbau einer sozialistischen Nation entspringt dem Urbedürfnis jedes Menschen nach Heimat, Geborgenheit, Gesellschaft und Gemeinschaft, geordnetem und dauerhaftem Miteinander und einem sinnvollen und ausgefüllten Leben unter Menschen, die gleiche oder ähnliche Voraussetzungen dafür mitbringen, einen tragfähigen Zusammenschluß zu ermöglichen.
Die sozialistische Nation dient dem Bedürfnis des Menschen nach Identifikation und Abgrenzung, nach eigener Kultur, Tradition und Neuschöpfung unter Gleichgesinnten.
Sie ist die Grundlage einer wirklichen Völkerverständigung und Völkerfreundschaft, denn nur ein sich selbst erkennendes Volk wird auch andere Völker in ihrer Eigenart erkennen und akzeptieren lernen.
So schafft eine sozialistische Nation die Möglichkeit zur weltweiten friedlichen Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg. In diesem Sinne ist sie der Ausgangspunkt für einen wirklichen und verbindenden Internationalismus.
In der heutigen Phase der kapitalistischen Globalisierung, des absoluten Imperialismus des internationalen Kapitals, das, längst jenseits nationaler Bezüge, in seinen barbarischen Zustand eingetreten ist, kann eine sozialistische Nation der Barbarei unmißverständliche Grenzen setzen.
Eine sozialistische Nation muß stets von der unterdrückten Klasse des eigenen Landes aufgebaut werden, weil nur sie ihre spezifischen Gegebenheiten erkennen kann und berücksichtigen muß. Ihr Aufbau muß aber immer mit demjenigen der unterdrückten Klassen der anderen Länder koordiniert werden, um sukzessive das große vereinende Ziel zu erreichen: eine sozialistische Welt, die alleine den Fortbestand der Menschheit auf der Erde ermöglichen kann.